Für die in Deutschland lebenden Baptisten ist es einmal wichtig, ihre eigene Vergangenheit und Identität zu durchforschen. Leider werden die deutschen Freikirchen heute immer noch als „undeutsche Fremdkörper“ angesehen oder als Sekten abgestempelt. Dabei haben die Freikirchen einen besonderen Anteil an der deutschen Geschichte. Die Täufer insbesondere gelten wohl als die Wegbereiter der Reformation. Die Reformatoren suchten einen Glauben, der allein auf der Heiligen Schrift beruht. Dieser Glaube wurde schon seit langem von den Täufern vor der Reformation praktiziert. Jedoch wurden die Täufer greulich von den Obrigkeiten verfolgt. Die heutige Abscheu vieler deutscher „Durchschnittsbürger“ gegen die Freikirchen stammt vielleicht noch aus der Zeit als Fürsten und Herzogen Edikte proklamierten, in denen die Zugehörigkeit zu einer Täufergemeinde mit der Todesstrafe geahndet wurde und zahlreiche Christen vertrieben, enteignet oder getötet wurden.Der felsenfeste Glaube an die Heilige Schrift als einzige Autorität ist keine religiöse Erscheinung aus dem Süden der USA. Lange vor dem Entstehen der USA gab es in Deutschland wiedergeborene Christen, deren Glaubensleben allein an die Bibel gebunden war und nicht an irgendeinen religiösen Despoten. Das Schleitheimer Bekenntnis zeugt vom Glauben der Täufer in Deutschland und gibt zeitlose biblische Wahrheiten wieder. Die Artikel des Bekenntnisses wurden - anläßlich einer geheimen Synode von Schweizer und Süddeutschen Täufern - von Michael Sattler erstellt und gelten als täuferische Bekenntnisschrift. Die Versammlung fand am 24. Februar 1527 in Schleitheim (Kanton Schaffhausen - heutige Schweiz) statt und befaßte sich mit folgenden Fragen:
- Die Taufe der Gläubigen
- Der Bann und die Gemeindezucht (Umgang mit Gemeindegliedern, die in Sünde leben)
- Das Brotbrechen (Abendmahl)
- Die Absonderung (Verhältnis zur Papstkirche)
- Die Gemeindeleitung (Voraussetzung und Aufgaben)
- Das Verhältnis zur weltlichen Obrigkeit
- Der Eid
Brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes,
sieben Artikel betreffendFreude, Friede und Barmherzigkeit von unserm Vater durch die Gemeinschaft des Blutes Jesu Christi, mitsamt den Gaben des Geistes, der vom Vater gesendet wird, allen Gläubigen zur Stärkung, zum Trost und zur Beständigkeit in aller Trübsal bis ans Ende. Amen.
Das wünschen wir allen Liebhabern Gottes und Kindern des Lichtes, welche zerstreut sind allenthalben, wohin sie von Gott unserem Vater verordnet und wo sie einmütiglich in einem Gott und Vater unser aller versammelt sind. Gnade und Friede im Herzen sei mit Euch allen. Amen.
Liebe Brüder und Schwestern in dem Herrn!
Uns liegt zuerst und vor allem daran. Euch zu trösten und Euer Gewissen, das eine Weile verwirrt war, zu stärken, damit Ihr nicht für immer als Heiden von uns abgesondert und mit Recht fast ganz ausgeschlossen werdet, sondern Euch wieder den wahren, eingepflanzten Gliedern Christi, die mit Geduld und Erkenntnis Christi ausgerüstet werden, zuwendet und so wieder mit uns vereinigt werdet in der Kraft eines göttlichen, christlichen Geistes und Eifers zu Gott.
Es ist offenkundig, mit welcher Tausendlistigkeit der Teufel uns hintergangen hat, damit er bei ihnen das Werk Gottes, das unter uns eine Zeitlang barmherzig und gnädig begonnen worden ist, zerstöre und zu Grunde richte. Aber der treue Hirte unserer Seele, Christus, der solches in uns angefangen hat, der wird es bis ans Ende führen und lehren zu seiner Ehre und unserm Heil. Amen.
Liebe Brüder und Schwestern! Wir, die wir zu Schleitheim am Randen im Herrn versammelt gewesen sind, tun allen Liebhabern Gottes kund, daß wir in den Stücken und Artikeln übereingekommen sind, die wir im Herrn halten sollen, wenn wir gehorsame Kinder, Söhne und Töchter Gottes sein wollen, die abgesondert von der Welt in allem Tun und Lassen sind und sein wollen. Gott allein sei Preis und Lob, daß es ohne den Widerspruch irgendeines Bruders und in voller Zufriedenheit geschehen ist. In dem allem haben wir gespürt, daß die Einigkeit des Vaters und des uns alle verbindenden Christus samt ihrem Geist mit uns gewesen ist. Denn der Herr ist der Herr des Friedens und nicht des Zankes, wie Paulus sagt [i. Kor. 14, 33]. Damit Ihr aber versteht, in welchen Punkten das geschehen ist, sollt Ihr aufmerken und verstehen.
Es ist von einigen falschen Brüdern unter uns ein sehr großes Ärgernis erregt worden. Es haben sich einige vom Glauben abgewandt, indem sie meinten, sie übten und gebrauchten die Freiheit des Geistes und Christi. Aber sie haben die Wahrheit verfehlt und haben sich (sich selbst zum Gericht) der Geilheit und Freiheit des Fleisches ergeben und haben gedacht, der Glaube und die Liebe könnten alles tun und dulden und nichts könne ihnen schaden oder verwerflich sein, weil sie doch gläubig seien.
Merkt auf, ihr Glieder Gottes in Jesus Christus: Der Glaube an den himmlischen Vater durch Jesus Christus ist nicht so gestaltet, wirkt und handelt nicht solche Dinge, wie diese falschen Brüder und Schwester sie tun und lehren. Hütet Euch und seid gewarnt vor solchen! Denn sie dienen nicht unserm Vater, sondern ihrem Vater, dem Teufel.
Ihr aber nicht so! Denn die zu Christus gehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt mitsamt allen Lüsten und Begierden. Ihr versteht mich wohl und [wisst], welche Brüder wir meinen. Sondert Euch von ihnen ab! Denn sie sind verkehrt. Bittet den Herrn, daß sie zur Erkenntnis und zur Busse kommen und daß wir beständig sind, den begonnenen Weg weiterzugehen nach der Ehre Gottes und seines Sohnes Christus. Amen.
Die Punkte, die wir behandelt haben und in denen wir eins geworden sind, das sind diese:
Taufe, Bann, Brechung des Brotes, Absonderung von Greueln, Hirten in der Gemeinde, Schwert, Eid.
Zum ersten merkt Euch über die Taufe:
Die Taufe soll allen denen gegeben werden, die über die Busse und Änderung des Lebens belehrt worden sind und wahrhaftig glauben, daß ihre Sünden durch Christus hinweggenommen sind, und allen denen, die wandeln wollen in der Auferstehung Jesu Christi und mit ihm in den Tod begraben sein wollen, auf daß sie mit ihm auferstehen mögen, und allen denen, die es in solcher Meinung von uns begehren und von sich selbst aus fordern. Damit wird jede Kindertaufe ausgeschlossen, des Papstes höchster und erster Greuel. Dafür habt Ihr Beweise und Zeugnisse in der Schrift und Beispiele bei den Aposteln (Matth. 28,19; Mark. 16,16; Apg. 2,38; 8,36f.; 16,31.33; 19,4f.). Dabei wollen wir einfältig, aber doch fest und mit Gewissheit bleiben.
Zum zweiten haben wir uns folgendermaßen über den Bann geeinigt:
Der Bann soll bei allen denen Anwendung finden, die sich dem Herrn ergeben haben, seinen Geboten nachzuwandeln, und bei allen denen, die in den einen Leib Christi getauft worden sind, sich Brüder oder Schwestern nennen lassen und doch zuweilen ausgleiten, in einen Irrtum und eine Sünde fallen und unversehens überrascht werden. Dieselben sollen zweimal heimlich ermahnt und beim dritten Mal öffentlich vor der ganzen Gemeinde zurechtgewiesen oder gebannt werden nach dem Befehl Christi (Matth. 18,15 ff.). Das aber soll nach der Anordnung des Geistes Gottes vor dem Brotbrechen geschehen, damit wir alle einmütig und in einer Liebe von einem Brot brechen und essen können und von einem Kelch trinken.
Zum dritten, was das Brotbrechen anlangt, sind wir uns einig geworden und haben folgendes vereinbart:
Alle, die ein Brot brechen wollen zum Gedächtnis des gebrochenen Leibes Christi, und alle, die von einem Trank trinken wollen zum Gedächtnis des vergossenen Blutes Christi, die sollen vorher vereinigt sein zu einem Leib Christi, das ist zur Gemeinde Gottes, an welcher Christus das Haupt ist, nämlich durch die Taufe. Denn wie Paulus sagt [ Kor. io, 21], können wir nicht zugleich teilhaftig sein des Tisches des Herrn und des Tisches der Teufel. Wir können auch nicht zugleich teilhaftig sein und trinken des Herren Kelch und der Teufel Kelch. Das heißt: Alle, die Gemeinschaft haben mit den toten Werken der Finsternis, die haben kein Teil am Licht, also alle, die dem Teufel folgen und der Welt, die haben kein Teil mit denen, die aus der Welt zu Gott berufen sind. Alle, die dem Bösen verfallen sind, haben kein Teil am Guten. So soll und muß es auch sein: Wer nicht die Berufung eines Gottes zu einem Glauben, zu einer Taufe, zu einem Leib zusammen mit allen Kindern Gottes hat, der kann auch nicht mit ihnen zu einem Brot werden, wie es doch sein muß, wo man das Brot in der Wahrheit nach dem Befehl Christi brechen will.
Zum vierten haben wir uns über die Absonderung geeinigt:
Sie soll geschehen von den Bösen und vom Argen, das der Teufel in der Welt gepflanzt hat, damit wir ja nicht Gemeinschaft mit ihnen haben und mit ihnen in Gemeinschaft mit ihren Greueln laufen. Das heißt, weil alle, die nicht in den Gehorsam des Glaubens getreten sind und die sich nicht mit Gott vereinigt haben, daß sie seinen Willen tun wollen, ein großer Greuel vor Gott sind, so kann und mag nichts anderes aus ihnen wachsen oder entspringen als greuliche Dinge. Nun gibt es nie etwas anderes in der Welt und in der ganzen Schöpfung als Gutes und Böses, gläubig und ungläubig, Finsternis und Licht, Welt und solche, die die Welt verlassen haben, Tempel Gottes und die Götzen, Christus und Belial, und keins kann mit dem ändern Gemeinschaft haben. Nun ist uns auch das Gebot des Herrn offenbar, in welchem er uns befiehlt, abgesondert zu sein und abgesondert zu werden vom Bösen; dann wolle er unser Gott sein und wir würden seine Söhne und Töchter sein [2. Kor. 6,17 f.]. Weiter ermahnt er uns {Jes. 48,20, Offbg. i8,4ff), Babylon und das irdische Ägypten zu verlassen, damit wir nicht auch ihrer Qualen und Leiden teilhaftig werden, die der Herr über sie herbeiführen wird. Aus dem allen sollen wir lernen, daß alles, was nicht mit unserem Gott und mit Christus vereinigt ist, nichts anderes ist als die Greuel, die wir meiden und fliehen sollen. Damit sind gemeint alle päpstlichen und widerpäpstlichen Werke und Gottesdienste, Versammlungen, Kirchenbesuche, Weinhäuser, Bündnisse und Verträge des Unglaubens und anderes dergleichen mehr, was die Welt für hoch hält und was doch stracks wider den Befehl Gottes durchgeführt wird, gemäß all der Ungerechtigkeit, die in der Welt ist. Von all diesem sollen wir abgesondert werden und kein Teil mit solchen haben. Denn es sind eitel Greuel, die uns verhaßt machen vor unserm Jesus Christus, welcher uns befreit hat von der Dienstbarkeit des Fleisches und fähig gemacht hat zum Dienst Gottes durch den Geist, welchen er uns gegeben hat. So werden dann auch zweifellos die unchristlichen, ja teuflischen Waffen der Gewalt von uns fallen, als da sind Schwert, Harnisch und dergleichen und jede Anwendung davon, sei es für Freunde oder gegen die Feinde - kraft des Wortes Christi: Ihr sollt dem Übel nicht widerstehen [Matth. 5, 39}.
Zum fünften haben wir uns über die Hirten in der Gemeinde folgendermaßen geeinigt:
Der Hirte in der Gemeinde Gottes soll ganz und gar nach der Ordnung von Paulus [i. Tim. 3,7] einer sein, der einen guten Leumund von denen hat, die außerhalb des Glaubens sind. Sein Amt soll sein Lesen und Ermahnen und Lehren, Mahnen, Zurechtweisen, Bannen in der Gemeinde und allen Brüdern und Schwestern zur Besserung vorbeten, das Brot anfangen zu brechen und in allen Dingen des Leibes Christi Acht haben, daß er gebaut und gebessert und dem Lästerer der Mund verstopft wird. Er soll aber von der Gemeinde, welche ihn erwählt hat, unterhalten werden, wenn er Mangel haben sollte. Denn wer dem Evangelium dient, soll auch davon leben, wie der Herr verordnet hat [i. Kor. 9.14}. Wenn aber ein Hirte etwas tun sollte, was der Zurechtweisung bedarf, soll mit ihm nur vor zwei oder drei Zeugen gehandelt werden. Und wenn sie sündigen, sollen sie vor allen zurechtgewiesen werden, damit die ändern Furcht haben. Wenn aber dieser Hirte vertrieben oder durch das Kreuz zum Herrn hingeführt werden sollte, soll von Stund an ein anderer an seine Stelle verordnet werden, damit das Völklein und Häuflein Gottes nicht zerstört, sondern durch die Mahnung erhalten und getröstet wird.
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