Ingo Breuer

Herrn
Dr. Wolf Bauer, MdB
Kaplan-Kellermann-Str. 14

53879 Euskirchen

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53894 Mechernich-Firmenich
Tel.: #####/######

5. Februar 1999

Was mir an Euskirchen wirklich gefällt!

Sehr geehrter Herr Bauer,

es liegt mir sehr auf dem Herzen, Ihnen zu sagen, war ich an der Stadt Euskirchen ganz besonders schätze. Die Stadt Euskirchen neigt ja häufig zu negativen Schlagzeilen. Drogenkriminalität, Messerstechereien, verrufene Diskotheken, etc. Wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die außerhalb von Euskirchen wohnen, stelle ich immer wieder fest, daß Euskirchen mit einem schlechten Image behaftet ist. Der Bombenanschlag auf ein Nebengebäude des Amtsgerichts durch einen Geistesgestörten ist oft das einzige, was Menschen außerhalb des Kreises von der Stadt Euskirchen in Erinnerung behalten haben. Es ist traurig, daß wir oft immer nur auf das Negative schauen, statt einmal die positiven Seiten der Stadt zu betrachten. Trotz aller Probleme in Euskirchen bin ich von einer Seite der Stadt doch tief beeindruckt. Denn die Stadt Euskirchen besitzt einen echten Lichtpunkt, der sich weit von der innerstädtischen Tristesse absondert: ich spreche von der Gemeinde der russischen Evangeliums-Christen (Bethaus) an der Kommerner Straße 140.
Als ich im Sommer 1998 morgens auf dem Weg zur Arbeit über den Eifelring fuhr, fielen mir die zahlreichen Plakate mit Bibelversen auf. Darauf war der Vers aus Römer 8:9 zu lesen „Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.“ Das hat mich sehr tief berührt. Es hat mich sehr froh gemacht, daß bei uns in Euskirchen ganz engagierte und ehrliche Christen am Werk sind, um wirklich ein Licht zu sein für die Stadt. Euskirchen braucht christliche Erweckung. Den nächsten Gottesdienst im Bethaus habe ich natürlich besucht und das hat mich ins Staunen gebracht über Gottes Barmherzigkeit mit uns und über Sein großes Werk an der Gemeinde. Es ist auch eine großartige Leistung, die die Gemeinde vollbracht hat, um aus einem alten Kasernengebäude der belgischen Streitkräfte ein leuchtendes Bethaus zu machen. Diese Arbeit verdient sehr viel Respekt. Aber viel wichtiger als die Arbeit an einem Gebäude ist die Arbeit an der Gemeinde, also dem geistlichen Gebäude. Der Missionseifer im Euskirchener Bethaus ist erstaunlich stark und lebendig. Wir wissen von der Bibel, daß die Gemeinde, die Jesus gründete, immer missionarisch war. Es war keine geschlossene Gesellschaft im religiösen Ghetto. Selbst wenn ich heute durch Euskirchen gehe, sehe ich immer die interessante Plakate mit Bibelversen. Ich bin froh, daß auf diese Weise Gottes Wort zu den Menschen gelangt, die einsam ihr Leben ohne Gott dahinleben. Ich bin kein Mitglied dieser Gemeinde, aber diese Gemeinde kann uns im christlichen Lebenswandel ein Vorbild sein. Davon bin ich fest überzeugt. Das Bethaus ist deshalb nicht nur eine kulturelle Bereicherung für Euskirchen, sondern vielmehr auch eine religiöse Bereicherung. Hier in Deutschland bemerke ich jedoch eine ständig wachsende Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Leider trifft diese Intoleranz ganz besonders die christlichen Freikirchen. Während die großen Volkskirchen paradoxerweise schon den Schulterschluß mit den islamischen Gruppierungen in Euskirchen üben, bemerke ich häufig eine kalte Ablehnung, pauschale Verurteilung und grundlose Verachtung gegenüber den christlichen Freikirchen. Dies ist eine sehr besorgniserregende Tendenz nicht nur in Euskirchen. Hier ein Beispiel:
In einem Artikel im Kölner-Stadtanzeiger (05.02.99) über Spätaussiedler aus Rußland und Kasachstan wird berichtet, daß ein Kommunalpolitiker aus dem Oberbergischen Kreis besorgt über die Fälle von „religiöser Radikalität“ in russischen Baptisten- und Mennonitenfamilien ist. Die Baptisten und Mennoniten verlangen Geschlechtertrennung an Schulen und lehnen den Sexualkundeunterricht ab. Von den Evangeliums-Christen in Euskirchen weiß ich, daß das Fernsehen abgelehnt wird.
Die Baptisten und Mennoniten wurden aufgrund ihres Glaubens an das Evangelium von Jesus Christus schon in der Sowjetunion von den gottlosen Kommunisten verfolgt. Es kann und darf nicht sein, daß nun deutsche Politiker und Bürokraten eine Hexenjagd auf christliche Minderheiten veranstalten und somit den kommunistischen Verfolgern nacheifern. Ich hoffe, daß es in Euskirchen nicht zu ähnlichen Situationen kommt wie nun im Oberbergischen Kreis. Nehmen wir besonders die städtischen Schulen als Beispiel. Besonders hier muß die religiöse Freiheit des einzelnen Schülers beachtet werden. Wenn die Kinder aus den christlichen Gemeinden wie etwa dem Bethaus in Euskirchen schon in ihrem Elternhaus christlich erzogen werden, dann dürfen die städtischen Schulen nicht versuchen, die Kinder umzuerziehen und zum linksliberalen, säkularen Weltbild zu „bekehren“. Die öffentlichen Schulen haben nicht das Recht, die mühsame Arbeit der liebenden Eltern zunichte zu machen. Unsere Verfassung schützt die ungestörte Religionsausübung. Christliche Religionsausübung hat meistens immer praktische Auswirkungen auf den Alltag. Christlicher Glaube ist sehr persönlich, jedoch nicht privat. Es ist kein privates Geflüster, sondern ein öffentliches Bekenntnis! Jesus ist Herr! Jesus rettet! Jesus lebt! Das kann ich doch nicht einfach verschweigen? Es ist völlig falsch, die zugesiedelten russischen Baptisten der „religiösen Radikalität“ anzuklagen. Ich persönlich schätze den Glaubensmut aller Menschen, die sich gegen die linksliberalen Auswüchse der gottesfeindlichen 68er Generation auflehnen und wieder die alten, bewährten christlichen Werte zurückbringen. Ein Bibelvers, den Gott tief in mein Herz gelegt hat, ist Sprüche 22:28: „Verrücke nicht die uralten Grenzen, die deine Väter gemacht haben.“ Die alten christlichen Werte, die uns von den Evangeliums-Christen in Euskirchen so lebendig vorgelebt werden, dürfen wir niemals verrücken und verschieben. Radikalität ist eher denen vorzuwerfen, die die Entchristlichung Europas vorangetrieben haben und somit die uralten Grenzen verrückt haben. Für Euskirchen wünsche ich mir, daß es erst gar nicht zu solcher Intoleranz gegenüber den Evangeliums-Christen, Baptisten oder Mennoniten kommt. Die Kommunalpolitiker im Oberbergischen Kreis sind kein Vorbild für Euskirchen! In einer Gesellschaft von souveränen Bürgern darf religiöse Freiheit nicht mit Füßen getreten werden.
Der Glaubensmut und der christliche Lebenswandel der Euskirchener Evangeliums-Christen ist eine großartige Inspiration und ein Vorbild für alle. Hin und wieder besuche ich den Gottesdienst im Bethaus und es ist so erbaulich und es gibt mir so viel Kraft von Gottes Wort erfaßt zu werden, gemeinsam zu beten und die Glaubenszeugnisse zu hören. Viele ältere Gemeindemitglieder berichten von grausamen Verfolgungen in der ehemaligen UdSSR. Hier in Deutschland sollten wir alles dafür tun, daß die religiöse Freiheit respektiert und in Ehren gehalten wird. Deshalb sollten bürokratische Übergriffe jeglicher Art auf christliche Freikirchen oder konservative Familien möglichst ausbleiben. Statt dessen müssen wir uns daran erinnern, daß die Eifel ursprünglich eine Region ist, die tief im Glauben an Jesus Christus verwurzelt ist. Jedoch finde ich es äußerst beschämend und demütigend, daß viele Menschen ihre christlichen Wurzeln einfach völlig verlassen haben. Auf die Knie mit uns zum Gebet miteinander und füreinander. Die Gemeinde im Bethaus geht mit gutem Beispiel voran. Wenn ich in der Euskirchener Innenstadt die zahlreichen Plakate mit Bibelversen sehe, dann ist mein Herz so voller Freude. „Denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Nehemia 8:10)
Was mir an Euskirchen gefällt, daß sind die Christen, die noch Licht der Welt und Salz der Erde (Matthäus 5:13-16) sind. Gerade in unserer völlig säkularisierten und oberflächlichen Gesellschaft, bin ich dankbar, für die Christen in Euskirchen, die für traditionelle christliche Werte und biblischen Glauben einstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Breuer

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